Öko+Fair ernährt mehr!
Die Kampagne für 2010 und 2011
Wer Weltläden schon länger kennt weiß, dass wir uns jeweils zwei Jahre mit einem bestimmten Thema intensiver beschäftigen. Das Thema für die nächsten zwei Jahre ist zukunftsfähige Welternährung. Unter dem Motto “Öko + Fair ernährt mehr!“ wird der Weltladen-Dachverband in Kooperation mit dem internationalen Öko-Verband Naturland Politik und die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass Öko-Landbau und Fairer Handel einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung weltweit leisten. Ziel ist es, konkrete Alternativen zu den sozial-und umweltschädlichen Anbau- und Handelspraktiken aufzuzeigen und bei der Politik die Förderung kleinbäuerlicher sowie ökologischer Landwirtschaft einzufordern.
Hintergrund:
Das Thema Ernährungssicherung ist politisch hochaktuell. Weltweit hungern eine Milliarde Menschen, Tendenz steigend. Die überwiegende Mehrheit davon lebt auf dem Lande, gerade dort, wo die meisten Nahrungsmittel produziert werden. Eigentlich reicht die Menge der weltweit produzierten Nahrungsmittel aus, um alle Menschen zu ernähren. Technische Innovationen, Gentechnik und industrielle Landwirtschaft haben es nicht geschafft, Hunger zu beseitigen! Hunger ist also auch ein Verteilungsproblem. Dementsprechend muss der Ausgangspunkt jeder Lösungsstrategie die Frage sein, wo gehungert wird und wer hungert.
Nach Angaben der UN leben 80 % der Hungernden auf dem Land: Die meisten sind Kleinbauern und verfügen nur über wenig, ökologisch ungünstiges und von Transportwegen abgeschnittenes Land. Häufig ist ihre Verfügung über das Land rechtlich nicht abgesichert, der Zugang zu Krediten und Saatgut bleibt ihnen verwehrt. Fehlende Infrastruktur und die Abhängigkeit von Zwischenhändlern sind weitere Faktoren, warum diese Kleinbauernfamilien nicht einmal in der Lage sind, sich von ihren Erträgen selber zu ernähren. Daneben verfügen gut 20 % der Hungernden über gar kein Land und sind genötigt, sich als Landarbeiter zu verdingen. Acht Prozent sind Nomaden, von der Fischerei oder der Nutzung von Wäldern abhängig.
Innerhalb dieser Gruppen sind weiterhin Frauen und Mädchen besonders stark betroffen. Sie machen insgesamt 70 % der Hungernden aus. Dabei produzieren Frauen beispielsweise in Afrika über 70% der Nahrungsmittel.
Sehr lesenswert ist in diesem Zusammenhang der Weltagrarbericht. Angestoßen von der Weltbank haben über 500 WissenschaftlerInnen aller Kontinente und Fachrichtungen vier Jahre lang daran zusammengearbeitet.
Die Botschaft des Berichts ist klar und einfach: „Weiter wie bisher ist keine Option“. Mit einem Satz zusammengefasst: Wir brauchen eine agrarökologische (R)evolution der Landwirtschaft, der Lebensmittelproduktion und des Konsums. Das umfassende Werk zielt auf zukunftsfähige Landnutzung: Ökologische Anbaumethoden, kleinbäuerliche Strukturen, regionale Vermarktung und praxisorientierte Schwerpunkte in Forschung und Politik.
58 Staaten haben diesen Bericht bisher unterzeichnet. Die deutsche Regierung hat ihn noch nicht anerkannt.
Die politischen Forderungen der Kampagne
Die deutschen PolitikerInnen – in erster Linie Agrarministerin Ilse Aigner und Entwicklungsminister Dirk Niebel – werden im Rahmen des ersten Kampagnenjahres aufgefordert, sich auf nationaler und internationaler Ebene dafür einzusetzen, dass
1. politische Weichenstellungen daran ausgerichtet werden, inwiefern sie kleinbäuerliche und ökologische Landwirtschaft fördern.
2. Agrarexportsubventionen sofort und endgültig abgeschafft werden und die Förderung der Überschussproduktion beendet wird.
Darüber hinaus fordern wir
3. Unterstützung des Fairen Handels als Instrument zur Armutsbekämpfung
4. Umsetzung der Forderungen des Weltagrarberichts
5. Bereitstellung von Forschungsgeldern für den Öko-Landbau auch in Trockengebieten und tropischen Klimazonen
6. Etablierung sozialer und ökologischer Kriterien für die Herstellung und Verwendung von Agrartreibstoffen und anderen nachwachsenden Rohstoffen.
7. Schutzregeln für einheimische Märkte in den Ländern des Südens.
Was können Sie tun?
Nutzen Sie Ihre „Marktmacht“ und kaufen Sie (weiterhin) ökologisch produzierte und fair gehandelte Produkte.
Außerdem können Sie Ihre politische Stimme nutzen und den Appell zur Unterstützung ökologischer und kleinbäuerlicher Landwirtschaft unterschreiben! Damit wird dem Aufruf mehr Gewicht verschafft. Die Möglichkeit dazu finden Sie bei uns im Weltladen und/oder online unter www.oekoplusfair.de.
Die gesammelten Unterschriften werden um den Welternährungstag 2010 herum (16.Oktober) an die zuständigen Ministerien übergeben. Wir hoffen, dass wir bis dahin viele Unterstützer finden und s ä c k e w e i s e Unterschriftskarten zusammen haben werden.

